EPPO Platform
on PRAs

Express-PRA zu Thekopsora minima – Auftreten

Description

Phytosanitary risk: moderate-high / Uncertainty: moderate


Der im östlichen Nordamerika und Japan einheimische Pilz Thekopsora minima wurde 2015 zum ersten Mal für Deutschland nachgewiesen. Spätere Untersuchungen an herbarisiertem Material ergaben, dass der Rost mindestens seit 2011 in Deutschland vorkommt. In der EU wurde zum ersten Mal 2002 in Südwestspanien ein Rostpilz auf Strauchheidelbeeren gemeldet, wurde aber als Pucciniastrum vaccinii (Naohidemyces vaccinii) mit hoher Wahrscheinlichkeit fehlbestimmt. Thekopsora minima ist nicht in den Anhängen der VO (EU) 2019/2072 gelistet, wurde aber 2017 in die A2-Liste der EPPO aufgenommen und damit zur Regelung als Quarantäneschadorganismus empfohlen. Eine Survey Card der EFSA zu T. minima liegt vor. Eine Regelung des Pilzes als Unionsquarantäneschadorganismus oder unionsgeregelter Nicht-Quarantäneschadorganismus (RNQP) ist möglich, wenn sein Verbreitungsstatus in der EU festgestellt wurde.

Thekopsora minima befällt die nordamerikanischen Heidelbeerarten Vaccinium corymbosum, V. angustifolium und deren Hybride und verschiedene Rhododendron- und Azaleen-Arten sowie verschiedene weitere Ericaceen-Gattungen. Der Pilz hat zwei Tsuga-Arten (Pinaceae) als Wechselwirte. In Infektionsexperimenten im Klimaschrank konnte nun gezeigt werden, dass auch die einheimische Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) prinzipiell von T. minima befallen werden kann. Ob dies auch im Freiland möglich ist, wird weiter beobachtet. Sollte es dafür konkrete Hinweise geben, wird diese Risikoanalyse aktualisiert. An einem Standort, an dem V. corymbosum verwildert und von T. minima befallen war, waren im Unterstand befindliche V. myrtillus nicht von T. minima, sondern von dem einheimischen Pilz N. vaccinii befallen.

Es ist anzunehmen, dass, wenn Wirtspflanzen vorhanden sind, sich Thekopsora minima aufgrund geeigneter Klimabedingungen in Deutschland im Freiland ansiedeln kann. Eine Ansiedlung in südeuropäischen EU-Mitgliedstaaten ist ebenfalls möglich. In den Niederlanden, Belgien, Portugal und Spanien kam es laut EPPO (2021) bis 2019 zu weiteren lokal begrenzten Ausbrüchen. Die Verbreitung in Deutschland und der EU ist nach bisherigen Erkenntnissen noch lokal begrenzt.

Wegen seines Schadpotenzials für (Kultur-) Heidelbeeren, Rhododendren und andere Ericaceen stellt Thekopsora minima ein mittleres phytosanitäres Risiko für Deutschland und andere EU-Mitgliedstaaten dar. Wenn festgestellt wird, dass die einheimische Heidelbeere auch im Freiland von dem Rost befallen werden kann, ist von einem hohen phytosanitären Risiko für Deutschland und andere EU-Mitgliedstaaten auszugehen.


Organisms

  • Thekopsora minima

Files

Type File Size
Pest Risk Analysis Download 632,03kB

PRA Area

  • Germany